Nyepi – der Tag an dem Bali still steht

Internet wird abgestellt, lokales Fernsehen und Radio wird abgestellt, in manchen Orten wird der komplette Strom abgestellt, Licht und Feuer verboten, auf die Straße gehen ist verboten (Ausgangssperre), Lärm ist verboten, der Flughafen ist geschlossen, Arbeiten ist verboten, nur Krankenwagen dürfen fahren. Das öffentliche Leben steht für 24 Stunden komplett still auf Bali.

Doch holen wir etwas aus, da die Nyepi Feierlichkeiten schon ein paar Tage vorher beginnen.

Nyepi selbst findet am Tag nach Neumond während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling statt. Es ist der erste Tag des neuen Jahres nach dem traditionellen Balinesischen Mondphasen-Kalender. Deshalb wird Nyepi auch als „Balinesisches Neujahr“ bezeichnet. Im Jahr 2019 war es der 07. März, im Jahr 2020 ist es der 25. März.

Melasti – 3 Tage vor Nyepi.
In großen Prozessionen, oft mit tausenden in weiß gekleideten Teilnehmern werden heilige Objekte aus den Tempeln zur nächsten Wasserstelle gebracht. Das kann das Meer, ein See oder auch ein Fluss sein. Hier werden die Statuen durch die Kraft des Wassergottes Baruna gereinigt. Der tiefere Sinn hinter diesen Zeremonien ist die Reinigung der Natur. Außerdem gewinnen die Gläubigen die „Quelle des ewigen Lebens“ aus dem Wasser.

Tawur kesanga – Exorzismus am Abend vor Nyepi.
Die Vorbereitungen für dieses Ereignis beginnen schon viele Wochen vorher. In aufwändiger Handarbeit fertigen die Bewohner der Dörfer kunstvolle Figuren an, die Dämonen und böse Geister, hier „Ogoh-Ogoh“ genannt darstellen. Oft wird von den zum Teil beweglichen Figuren eine Geschichte dargestellt, z.B. wie sie gerade von einem der Götter bekämpft werden. Die Details und die Statik der Figuren ist unglaublich. Oft sind sie nur auf wenigen Quadratzentimetern am Boden befestigt. Die Gesamte Konstruktion scheint fast schwerelos über dem Boden zu schweben. Auf einem Tragegestell aus Bambus gefertigt werden die Ogoh-Ogohs am Abend begleitet durch traditionelle Musik und Tänzerinnen durch die Hauptstraßen der Dörfer getragen. Die Hauptstraßen gelten als die Treffpunkte der bösen Geister und Dämonen. Zum krönenden Abschluss werden die Ogoh-Ogohs verbrannt und somit auch die anwesenden bösen Geister und Dämonen. Das Gleichgewicht zwischen den Göttern, den gläubigen Balinesen und der Natur ist somit wieder hergestellt. Tausende von Schaulustigen begleiten die Umzüge und das bunte Treiben.

Nyepi – der Tag der Stille.
Nyepi ist der höchste hinduistische Feiertag auf Bali und ein allgemeiner Feiertag in ganz Indonesien. Dieser Tag beginnt um 6 Uhr morgens und endet um 6 Uhr am nächsten Tag. Wie schon anfangs beschrieben, gelten an diesem Tag strenge Regeln die auch von Touristen eingehalten werden müssen. Reisende die zu dieser Zeit auf Bali unterwegs sind müssen diese Einschränkungen auf jeden Fall mit einplanen, oder schon vorher die Insel verlassen. Reisen ist am Tag der Stille nicht möglich. Eine große Stille liegt über der gesamten Insel, nachts ist es stockfinster. Die Einhaltung wird von patrouillierenden „Pecalang“, in schwarz-weiß karierten Sarongs gekleidete Religionspolizisten kontrolliert.

Die gläubigen Balinesen verbringen diesen Tag mit Meditation und Fasten.

Der tiefere Sinn von Nyepi ist ein Neuanfang in möglichst großer Reinheit. Durch die Stille sollen aber auch die vorbei ziehenden Geister und Dämonen denken, Bali sei verlassen und kein lohnendes Ziel. Die Insel und ihre Bewohner sollen somit vor schlechten Einfluss bewahrt werden.

Ngembak Geni – der Tag nach Nyepi.
Am Tag nach Nyepi besuchen sich die Balinesen gegenseitig, um sich um Vergebung zu bitten und so gereinigt in das neue Jahr zu starten. Die meisten Geschäfte haben wieder geöffnet und das soziale Leben wird wieder aufgenommen.

Ich persönlich empfinde diese Brauchtümer als sehr angenehm und exotisch. Ich verstehe auch nicht, warum viele Touristen kurz vor Nyepi Bali verlassen. So einen Umzug sollte man mal erlebt haben, es gehört zu Kultur der hier lebenden Menschen. Auch der Tag der Stille ist nicht so schlimm. Es sind doch nur 24 Stunden. Man kann in ruhe einen neuen Eintrag für den Reiseblog schreiben, oder sich im Pool des Hotels vergnügen. Die Welt hat sich auch ohne Internet weiter gedreht und ich habe wirklich nichts versäumt. So einen Tag im Jahr sollte man auf der ganzen Welt einführen.

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